Eine geistliche Botschaft zum 1. November – Allerheiligen – und zum 2. November – Allerseelen
Von Erzbischof und Katholikos Gioacchino (Gino) Collica
Liebe Brüder und Schwestern,
bald stehen wir wieder vor zwei besonderen Tagen des christlichen Glaubens: dem 1. November, dem Fest Allerheiligen, und dem 2. November, dem Gedenken an unsere Verstorbenen, Allerseelen.
Für mich sind diese beiden Tage nicht einfach Tage der Trauer. Sie sind Tage der Liebe, der Dankbarkeit, der Erinnerung und vor allem der Hoffnung auf das ewige Leben.
Denn wer an seine Verstorbenen denkt, denkt auch an seine eigenen Wurzeln.
Ein Mensch ohne Erinnerung an seine Wurzeln ist wie ein Baum, der vergessen hat, woher er seine Kraft bekommt.
Unsere Eltern, Großeltern und Vorfahren haben uns das Leben geschenkt. Sie haben gearbeitet, geliebt, gelitten, gehofft und Opfer gebracht, damit wir heute hier sein können. Ihre Geschichten gehören zu unserer Geschichte. Ihre Liebe hat Spuren in unseren Herzen hinterlassen.
Und deshalb stelle ich eine Frage, die mich zutiefst bewegt:
Was haben wir aus diesen heiligen Tagen gemacht?
In unserer heutigen Gesellschaft richtet sich immer mehr Aufmerksamkeit auf Halloween. Überall begegnen uns Totenköpfe, Gespenster, Dämonen, erschreckende Masken und Bilder der Dunkelheit.
Natürlich weiß ich, dass viele Menschen Halloween als Unterhaltung oder als harmloses Fest für Kinder verstehen. Nicht jeder, der sich verkleidet oder einen Kürbis aufstellt, beschäftigt sich mit Okkultismus.
Aber als Christ und als Bischof möchte ich eine tiefere Frage stellen:
Warum beschäftigen wir uns so gerne mit Angst, Geistern und Dunkelheit, während die christliche Botschaft von Heiligkeit, Auferstehung und ewigem Leben häufig in den Hintergrund tritt?
Warum richten wir unseren Blick so sehr auf das Erschreckende, während wir die Freude über unsere Heiligen und die Dankbarkeit gegenüber unseren Verstorbenen neu entdecken könnten?
Die Frage ist nicht einfach, ob ein Fest bunt, lustig oder gruselig ist. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Welche Vorstellungen vom Leben, vom Tod und von unserer Hoffnung geben wir an die nächste Generation weiter?
Die christliche Tradition lädt uns ein, nicht die Dunkelheit zum Mittelpunkt zu machen, sondern das Licht Christi.
Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit in Sizilien.
Dort gab es eine wunderschöne Tradition. In der Nacht vor dem Gedenktag der Verstorbenen versteckten unsere Eltern kleine Geschenke für uns Kinder.
Am Morgen wachten wir voller Freude auf und suchten nach den Überraschungen.
Unsere Eltern erklärten uns, dass unsere verstorbenen Großeltern und Angehörigen an uns gedacht hätten und uns diese Geschenke gebracht hätten.
Was für eine wunderbare Erinnerung!
Wir Kinder hatten keine Angst vor unseren Verstorbenen. Wir empfanden Freude, Geborgenheit und Verbundenheit.
Unsere Großeltern waren für uns keine Gespenster und keine Gestalten der Dunkelheit. Sie waren Menschen, die wir geliebt hatten und deren Liebe in unserer Familie weiterlebte.
Diese Tradition vermittelte uns auf kindliche Weise eine tiefe Botschaft: Der Tod beendet unsere irdische Gemeinschaft, aber er kann nicht ungeschehen machen, was ein Mensch durch seine Liebe in unserem Leben bewirkt hat.
Der Tod nimmt uns einen geliebten Menschen aus unserer sichtbaren Mitte. Aber die Liebe, die er uns geschenkt hat, bleibt Teil unseres Lebens.
Das war für uns ein Fest der Freude, der Familie und der Erinnerung.
Heute wünsche ich mir, dass wir unseren Kindern wieder mehr von dieser Schönheit vermitteln: von ihren Wurzeln, ihren Großeltern, ihren Vorfahren und von der Hoffnung, die unser christlicher Glaube schenkt.
In der apostolischen Tradition unserer Kirche betrachten wir die Kirche nicht nur als eine Gemeinschaft von Menschen, die heute auf dieser Erde leben.
Die Kirche ist der Leib Christi.
Der Apostel Paulus schreibt:
„Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1 Korinther 12,27)
Dieses Wort offenbart uns eine tiefe geistliche Wirklichkeit: Unsere Zugehörigkeit zu Christus ist keine bloße Erinnerung und kein äußerliches Zeichen. Sie ist eine Berufung zur lebendigen Gemeinschaft mit ihm.
Die christliche Überlieferung spricht von der Gemeinschaft der Heiligen – Communio Sanctorum. Sie erinnert uns daran, dass Christus das Haupt seiner Kirche ist und dass unsere Hoffnung über die Grenzen des irdischen Lebens hinausreicht.
Wir gedenken unserer Verstorbenen, beten für sie und empfehlen sie der Barmherzigkeit Gottes an. Wir tun dies nicht aus Angst vor den Toten, sondern aus Liebe und im Vertrauen auf den Herrn des Lebens.
Jesus Christus sagt:
„Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.“ (Lukas 20,38)
Was für eine wunderbare Hoffnung!
Unsere Verstorbenen sind nicht einfach aus unserer Geschichte verschwunden. Wir vertrauen sie Gott an, dessen Liebe größer ist als unser menschliches Begreifen.
Darum sind Allerheiligen und Allerseelen keine Feste der Verzweiflung. Sie sind Tage, an denen wir unsere Hoffnung auf Christus erneuern.
Wenn wir an Allerheiligen denken, sehen wir oft die Statuen und Bilder der Heiligen in unseren Kirchen.
Doch Heiligkeit ist mehr als eine Statue, ein Bild oder eine Erinnerung an eine große Persönlichkeit der Vergangenheit.
Heiligkeit ist die Berufung eines jeden Menschen, der sich von Gottes Gnade verwandeln lässt.
Der Apostel Petrus schreibt:
„Seid heilig, denn ich bin heilig.“ (1 Petrus 1,16)
Wir machen uns nicht aus eigener Kraft heilig. Gott allein ist heilig, und durch seine Gnade dürfen wir an seinem göttlichen Leben teilhaben.
Die östliche christliche Theologie bezeichnet diesen Weg als Theosis: die Verwandlung des Menschen durch Gottes Gnade und die Teilhabe am göttlichen Leben.
Das bedeutet nicht, dass der Mensch selbst Gott wird. Es bedeutet, dass Gott unser Herz erneuert, unsere Liebe vertieft und uns dazu befähigt, immer mehr nach dem Evangelium zu leben.
Ein Mensch, der vergibt, obwohl er verletzt wurde, kann ein Zeichen dieser Heiligkeit sein.
Eine Mutter, die ihre Kinder mit Liebe begleitet, ein Vater, der Verantwortung übernimmt, ein Mensch, der einem Kranken beisteht, oder jemand, der Frieden stiftet, wo Hass herrscht: In all diesen Menschen kann Gottes Liebe sichtbar werden.
Heiligkeit beginnt dort, wo wir Gott Raum in unserem Herzen geben.
Der Apostel Paulus erinnert uns:
„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Korinther 3,16)
Wir sind dazu berufen, Tempel des Heiligen Geistes zu sein und Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar zu machen.
Das ist die Würde unseres Lebens. Das ist unsere Berufung.
Wenn wir eine Kerze vor dem Kreuz, vor einer Ikone oder am Grab eines geliebten Menschen entzünden, dann ist das ein Zeichen unserer Hoffnung und unseres Gebetes.
Die Kerze erinnert uns an Jesus Christus, das Licht der Welt.
Christus sagt:
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)
Eine Kerze wird entzündet, damit sie Licht schenkt.
Sie erinnert uns daran, dass selbst ein kleines Licht die Dunkelheit durchbrechen kann.
Wie viel mehr kann das Licht Christi unser Leben erhellen!
Darum sollten wir die Kerze nicht nur als Dekoration betrachten. Sie kann Ausdruck unseres Gebetes, unserer Dankbarkeit und unserer Hoffnung auf das ewige Leben sein.
Wenn wir am Grab unserer Mutter oder unseres Vaters eine Kerze entzünden, sagen wir damit: Du bist nicht vergessen. Wir danken Gott für dein Leben. Wir vertrauen dich seiner Barmherzigkeit an.
Die Kerze ist kein Zeichen unserer Angst vor dem Tod, sondern ein Zeichen unserer Hoffnung auf Christus.
Liebe Brüder und Schwestern,
gerade in einer Zeit voller Unsicherheit müssen wir auch über ein ernstes Thema sprechen: die Hinwendung zu magischen Praktiken, Okkultismus, Spiritismus, Wahrsagerei, Hellseherei und esoterischen Angeboten.
Wenn Menschen einen geliebten Angehörigen verlieren, wenn eine Ehe zerbricht, wenn Krankheit, Einsamkeit oder Verzweiflung ihr Leben erschüttern, suchen sie nach Antworten.
Manche möchten wissen, was die Zukunft bringt. Andere wünschen sich Kontakt zu Verstorbenen. Wieder andere hoffen, durch verborgene Kräfte ihre Probleme lösen oder ihr Schicksal kontrollieren zu können.
Gerade in solchen Augenblicken der Verletzlichkeit können Menschen an Anbieter geraten, die ihre Ängste verstärken, ihnen angebliche übernatürliche Fähigkeiten versprechen oder ihre Not finanziell ausnutzen.
Nicht jeder Mensch, der sich für Esoterik interessiert, ist deshalb böse. Und nicht jeder, der in seiner Verzweiflung eine solche Hilfe sucht, weiß, worauf er sich einlässt.
Viele sind selbst Opfer ihrer Angst, ihrer Trauer oder falscher Versprechen.
Deshalb dürfen wir sie nicht verurteilen. Wir müssen ihnen mit Wahrheit, Barmherzigkeit und geistlicher Klarheit begegnen.
Die christliche Antwort auf die Angst ist nicht die Suche nach verborgenen Mächten, sondern das Vertrauen auf den lebendigen Gott.
Die Heilige Schrift warnt vor Wahrsagerei und der Suche nach verbotener spiritueller Macht. Auch der Katechismus der Katholischen Kirche behandelt diese Themen in den Nummern 2116 und 2117.
Wer Angst hat, braucht Liebe und Wahrheit – nicht neue Ängste, falsche Versprechen oder finanzielle Ausbeutung.
Unser Leben soll nicht von Horoskopen, Kartenlegern, Medien oder angeblichen Geheimkräften beherrscht werden.
Unsere Hoffnung liegt in Jesus Christus.
In der christlichen Tradition nehmen wir die Wirklichkeit des Bösen ernst. Wir glauben, dass der Mensch Versuchungen ausgesetzt sein kann und dass er geistlicher Begleitung, Gebet und der Gnade Gottes bedarf.
Doch wir müssen dabei sehr vorsichtig sein.
Nicht jede Krankheit, nicht jede psychische Krise, nicht jeder Konflikt und nicht jede zerstörerische Handlung ist dämonischen Ursprungs.
Wenn Menschen unter Depressionen, Angstzuständen, schweren seelischen Belastungen oder körperlichen Erkrankungen leiden, benötigen sie gegebenenfalls medizinische und psychologische Hilfe. Geistliche Begleitung kann diese Hilfe ergänzen, aber nicht ersetzen.
Wir sollten niemals einen kranken oder leidenden Menschen vorschnell als besessen bezeichnen.
Die Aufgabe der Kirche ist es, Menschen zu begleiten, ihre Würde zu schützen und ihnen Hoffnung zu schenken.
Denn die größte Gefahr für einen Menschen besteht nicht darin, dass er sich mit einem gruseligen Bild beschäftigt hat. Gefährlich wird es, wenn Angst sein Leben beherrscht, wenn er die Hoffnung verliert, sich selbst oder andere verletzt oder sich in Abhängigkeiten begibt, die seine Freiheit zerstören.
Wo Hass, Groll, Neid, Eifersucht und Verzweiflung wachsen, müssen wir den Menschen helfen, einen Weg zurück zu Liebe, Frieden und verantwortlichem Handeln zu finden.
Wir sollen das Böse nicht verharmlosen, aber wir dürfen ihm auch nicht mehr Macht zuschreiben, als ihm in unserem Leben zukommt. Unsere Hoffnung bleibt Christus.
In meinem pastoralen Dienst als Exorzist begegne ich Menschen, die unter schweren geistlichen, seelischen und körperlichen Belastungen leiden.
Manche Menschen berichten von Erfahrungen, die sie als geistliche Bedrängnis verstehen. Andere befinden sich in Situationen tiefer Verzweiflung, in familiären Konflikten oder in seelischen Krisen.
Ich weiß, wie groß die Sehnsucht nach Befreiung und innerem Frieden sein kann.
Deshalb möchte ich den Menschen sagen: Ihr müsst eure Not nicht allein tragen. Ihr müsst euch nicht von Angst beherrschen lassen. Und ihr müsst nicht jedem Menschen glauben, der euch gegen Geld Erlösung, Heilung oder die Kontrolle über euer Schicksal verspricht.
Wenn ihr geistliche Hilfe sucht, wendet euch an vertrauenswürdige Seelsorger und Priester.
Sucht das Gebet der Kirche, die Begleitung durch verantwortungsbewusste Geistliche und – wo es angebracht ist – Gebete um Befreiung vom Bösen.
Bei einem begründeten Verdacht auf außergewöhnliche geistliche Belastungen bedarf es einer sorgfältigen Prüfung und der Einhaltung der kirchlichen Zuständigkeiten. Ein Exorzismus ist kein magisches Ritual und darf nicht mit beliebigen Befreiungsversprechen verwechselt werden.
Die Aufgabe eines Exorzisten ist nicht, Menschen in Angst zu versetzen, sondern ihnen im Namen Christi auf verantwortungsvolle Weise zu dienen und sie auf dem Weg zu Freiheit, Frieden und Hoffnung zu begleiten.
Lasst euch nicht von Wahrsagern, selbsternannten Medien oder Magiern einreden, sie könnten eure Zukunft kontrollieren, Verstorbene herbeirufen oder jedes Leiden durch geheime Kräfte beseitigen.
Wenn ihr leidet, sucht Hilfe. Wenn ihr Angst habt, sprecht darüber. Wenn ihr geistliche Begleitung braucht, wendet euch an die Kirche. Und wenn ihr krank seid, nehmt auch medizinische und psychologische Unterstützung in Anspruch.
Gott wirkt nicht gegen die Würde des Menschen. Echte Seelsorge respektiert sie.
Der Apostel Paulus fragt:
„Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Korinther 15,55)
Diese Worte gehören zum Herzen unserer christlichen Hoffnung.
Wir Christen leugnen den Tod nicht. Wir kennen die Tränen einer Mutter, die ihr Kind verliert. Wir kennen den Schmerz eines Menschen, der am Grab seiner Eltern steht.
Auch Jesus weinte am Grab seines Freundes Lazarus.
Doch wir glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort besitzt.
Christus ist gestorben und auferstanden. In seiner Auferstehung liegt unsere Hoffnung auf das ewige Leben.
In der östlichen christlichen Ostertradition wird verkündet:
„Christus ist auferstanden von den Toten, hat durch seinen Tod den Tod besiegt und denen in den Gräbern das Leben geschenkt.“
Das ist die Antwort unseres Glaubens auf die Dunkelheit.
Wir müssen den Tod nicht mit Magie zu beherrschen versuchen. Wir müssen uns nicht an Wahrsager wenden, um unsere Zukunft zu erfahren. Wir dürfen unsere Verstorbenen Gott anvertrauen und in der Hoffnung leben, dass seine Liebe größer ist als unser menschliches Begreifen.
Wenn ich unsere heutige Gesellschaft betrachte, sehe ich viele Menschen voller Angst, Unruhe und Unsicherheit.
Ich sehe Konflikte, Hass und Spaltungen. Ich sehe junge Menschen, die nach Orientierung suchen und ihre Stimme erheben. Friedlicher Protest und die Suche nach Gerechtigkeit sind wichtige Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe. Doch wenn Wut in Gewalt, Hass und Zerstörung umschlägt, verlieren wir die Achtung vor der Würde des anderen.
Gerade deshalb müssen wir unseren Kindern zeigen, dass jeder Mensch das Ebenbild Gottes trägt.
Wir müssen ihnen vermitteln, dass Frieden stärker ist als Hass, dass Vergebung einen Menschen größer macht als Rache und dass Liebe nicht Schwäche, sondern eine geistliche Kraft ist.
Unsere Kinder brauchen nicht nur Unterhaltung und Geschichten über Geister. Sie brauchen Geschichten über ihre Großeltern, über die Opfer ihrer Eltern, über die Liebe ihrer Vorfahren und über die Hoffnung, die der christliche Glaube schenkt.
Eine Gesellschaft, die ihre Wurzeln vergisst, verliert leicht die Orientierung für ihre Zukunft.
Als Kirche sind wir berufen, Brücken zu bauen: zwischen den Generationen, zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Tradition und zwischen den Menschen, die Trost suchen, und dem Evangelium, das ihnen Hoffnung schenken kann.
Am 1. November feiern wir Allerheiligen. Wir danken Gott für alle, in denen seine Heiligkeit sichtbar geworden ist, und erinnern uns an unsere eigene Berufung zur Heiligkeit.
Am 2. November gedenken wir unserer Verstorbenen. Wir beten für sie und empfehlen sie der Barmherzigkeit Gottes an.
Beide Tage gehören zusammen.
Sie erinnern uns daran, dass wir nicht für die Finsternis geschaffen sind, sondern für das Leben mit Gott.
Darum lade ich euch ein:
Geht zu den Gräbern eurer Eltern und Großeltern. Bringt Blumen mit. Entzündet eine Kerze. Betet für eure Verstorbenen.
Erzählt euren Kindern von ihnen. Sprecht ihre Namen aus. Erinnert euch an ihre Stimmen, ihre Gesichter, ihre Mühen und ihre Hoffnungen.
Und wenn euch Tränen kommen, dann schämt euch nicht.
Denn manchmal sind Tränen die Sprache einer Liebe, für die unsere Worte nicht ausreichen.
Lasst uns unseren Kindern nicht nur zeigen, wie man sich als Geist verkleidet, sondern vor allem, wie man mit einem heiligen Herzen lebt.
Lasst uns ihnen zeigen, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist, dass unsere Verstorbenen zu unserer Geschichte gehören und dass unsere Hoffnung auf Christus gegründet ist.
Liebe Brüder und Schwestern,
ich wünsche mir, dass wir den 1. und 2. November wieder bewusster als Tage des Lichtes, der Hoffnung und der Liebe feiern.
Tage des Lichtes statt der Angst.
Tage der Liebe statt des Hasses.
Tage der Erinnerung statt des Vergessens.
Tage des Gebetes statt der Suche nach verborgenen Mächten.
Tage der Hoffnung statt der Verzweiflung.
Wir brauchen keine Gesellschaft, die von Angst beherrscht wird. Wir brauchen Menschen, die einander helfen, die Kranke begleiten, Trauernde trösten, Familien stärken und ihren Mitmenschen mit Achtung begegnen.
Unsere Verstorbenen sind unsere Wurzeln.
Die Heiligen sind Zeugen unserer Hoffnung.
Der Heilige Geist wohnt in den Herzen derer, die sich Gott öffnen.
Und Jesus Christus ist das Licht, das niemals erlischt.
Möge der allmächtige Gott unsere Verstorbenen in seiner Barmherzigkeit aufnehmen. Möge er unsere Familien segnen, unsere Kinder beschützen und allen Menschen, die unter Angst, Krankheit oder Verzweiflung leiden, den Weg zu Hilfe, Frieden und Hoffnung zeigen.
Möge der Heilige Geist unsere Herzen erleuchten, damit wir Wahrheit von Täuschung unterscheiden, Freiheit statt Abhängigkeit suchen und Gottes Liebe in unserem Leben sichtbar machen.
Wir feiern nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Hoffnung auf das ewige Leben.
Wir verherrlichen nicht die Dunkelheit, sondern verkünden das Licht Christi.
Wir vertrauen nicht auf Magie, sondern auf die Gnade Gottes.
Wir vergessen unsere Verstorbenen nicht, sondern bewahren sie in Liebe und Gebet.
Denn Christus ist unser Licht. Christus ist unsere Hoffnung. Christus ist der Herr des Lebens.
Mit meinem Gebet und meinem bischöflichen Segen für euch alle.
† Erzbischof und Katholikos Gioacchino (Gino) Collica
Katholisch-Apostolische Kirche Europa
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